Die Fließgewässertypen in NRW

Montag, 3. Juli 2017

Die Fließgewässertypen in NRW

Unser Bundesland weist eine Vielfalt unterschiedlicher Landschaftstypen und geologischer Untergründe auf. Genauso vielfältig sind auch die Fließgewässer in den verschiedenen Regionen. Eine Übersicht gibt die Karte der NRW-Fließgewässertypen. Im Rahmen der Bestandsaufnahme 2013 wurde die Zuordnung der Fließgewässertypen in Nordrhein-Westfalen noch einmal überprüft. Dabei haben sich in einigen Bereichen deutliche Änderungen ergeben.

Fließgewässertypen NRW 2013

Fließgewässertypen NRW 2013

03.07.2017

Im Jahr 2002 stellte das Land NRW erstmals einen "Fließgewässertypenatlas" vor, auf dem eine Vielzahl von wasserwirtschaftlichen Verfahren aufbauen konnte. Dazu gehörte unter anderem die Entwicklung von Konzepten zur naturnahen Entwicklung von Fließgewässern (KNEF) oder das Strahlwirkungs- und Trittsteinkonzept. Die Fließgewässertypen stellen außerdem die maßgebliche Grundlage für die ökologische Bewertung gemäß EG-WRRL dar. Sie sind ein praxisnahes Arbeitsinstrument für die Erarbeitung von morphologischen Umgestaltungsmaßnahmen.

In Nordrhein-Westfalen liegen zwei Typenkarten vor: die NRW- und die LAWA-Typenkarte. Die Zielsetzung bei der NRW-Typenkarte ist die kleinräumige Darstellung der feiner differenzierten NRW-Typen. Sie dienen als Orientierungshilfe bei der ökologischen Verbesserung.

Die „gröberen“ LAWA-Typen gelten insbesondere für die Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet über 10 km2, zu deren Zustand im Zuge der Umsetzung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie regelmäßig zu berichten ist. Die LAWA-Typen sind Grundlage für die Abgrenzung der Wasserkörper, für das Aufstellen des Monitoring-Messnetzes, für die typspezifische Bewertung auf der Basis der biologischen Qualitätskomponenten und für die Erarbeitung von Bewirtschaftungsplänen.

Fließgewässertypologie bedeutet nicht die Klassifikation des Ist-Zustandes, sondern des potenziell natürlichen Gewässerzustands oder Referenzzustands. Für die Typzuweisung sind daher im Wesentlichen kartographische Daten zugrunde gelegt worden, die vom Menschen weitgehend unveränderbar sind. Aktuelle Untersuchungsergebnisse wurden zur Unterstützung herangezogen.

  • Geologie (Digitale Geologische Karte NRW 1:100.000)
  • Naturraum (Karten der Fließgewässerlandschaften „BRD“ und „NRW“ und naturräumliche Gliederung NRW)
  • Einzugsgebietsgröße (Digitale Gewässerstationierungskarte NRW 1:25.000)
  • Gefälle (Digitales Geländemodell NRW)
  • Boden (Digitale Bodenkarte NRW)
  • Physiko-chemische Messwerte (für die Abgrenzung von silikatischen und karbonatischen Gewässertypen des Mittelgebirges)
  • Biologische Daten (z. B. zur Ermittlung der Verbreitung von Gammarus fossarum (Bachflohkrebs) als Indikatortaxon für die Abgrenzung von Mittelgebirge und Tiefland)

Im Jahre 2002 erschien der erste Fließgewässertypenatlas als LUA-Merkblatt Nr. 36. Die mit der Anwendung des Fließgewässertypenatlas gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse sind mittlerweile in eine Neuauflage eingeflossen. Dabei wurde eine aktuelle Gewässerstationierungskarte zugrunde gelegt. Neben einer Überarbeitung der NRW-Fließgewässertypen erfolgte auch eine Zuweisung der LAWA-Fließgewässertypen.

Verglichen mit den bisher verwendeten Karten haben sich dabei einige Änderungen bei der Typzuweisung ergeben. Bei der Zuweisung der LAWA-Typen zeigen sich die auffälligsten Änderungen bei den LAWA-Typen 19 (Kleine Niederungsgewässer in Fluss- und Stromtälern) und 14 (Sandgeprägte Tieflandbäche). Aufgrund der geänderten Ausweisungskriterien gibt es z. B. in schmalen Überschwemmungsgebieten keinen LAWA-Typ 19 mehr. Den betroffenen Gewässern wurden auf der Basis der geologischen Karte und der Bodenkarte die LAWA-Typen 11 (Organisch geprägte Bäche), 14 oder 18 (Löss-lehmgeprägte Tieflandbäche) zugewiesen.

Der überarbeitete Fließgewässertypenatlas ist Ende 2013 als LANUV-Arbeitsblatt 25 mit einem Begleittext erschienen. Der Text beschreibt die Kriterien für die Typzuweisung mit anschaulichen Beispielen und enthält eine ausführliche Beschreibung der NRW- und LAWA-Typen. Das Arbeitsblatt ist mit Bildern aus der aktuellen Gewässerstrukturgütekartierung illustriert. Die neue Typenkarte wurde im August 2013 per Erlass eingeführt und wird zukünftig bei der Maßnahmenplanung und der Bewertung des Gewässerzustands angewendet.