Gewässerkonferenz 2019 mit Auftaktveranstaltung zum dritten Bewirtschaftungsplan für OWL

Sonntag, 6. Oktober 2019

Gewässerkonferenz 2019 mit Auftaktveranstaltung zum dritten Bewirtschaftungsplan für OWL

Im Detmolder Regierungspräsidium fanden sich etwa 200 Besucher zur Gewässerkonferenz ein. Die vierzehnte Gewässerkonferenz zum Thema „Lebendige Gewässer in Ostwestfalen-Lippe“ am Mittwoch, 6. November 2019 hatte zwei inhaltliche Schwerpunkte: das Thema Grundwasser und den Auftakt zum 3. Bewirtschaftungsplan, der die Bewirtschaftungsaufgaben von 2021 bis 2027 festlegt.

 

Im ersten Block gaben vier Referenten einen Überblick über den Zustand und wesentliche Aspekte des Grundwasserschutzes. Dabei wurden auch neue rechtliche Änderungen und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft thematisiert. Anschließend erfolgte eine gemeinsame Diskussion. Nach der Kurzvorstellung von Filmmaterial über die Lippe, konnten sich die Teilnehmer bei einem Imbiss persönlich austauschen. Nach der Mittagspause gab die Auftaktveranstaltung zum dritten Bewirtschaftungsplan (BWP) einen ersten Überblick über den geplanten Ablauf bei der Aufstellung des nächsten BWP, auch an diesen Block schloss eine Diskussion an. 

Gewässerkonferenz 2019

Gewässerkonferenz 2019

07.11.2019
Gewässerkonferenz
Gewässerkonferenz 2019
  • Vortrag 1: Erich Hormann, Bezirksregierung Detmold

Der Zustand des Grundwassers in OWL und Vorstellung des Pilotprojektes „Grundwasserdargebot“

Die Grundwasserverordnung (GrwVO) schreibt die Ermittlung sogenannter „gefährdeter Grundwasserkörper“ vor. Diese Grundwasserkörper (GWK) sind darin gefährdet die Bewirtschaftungsziele, den „guten chemischen“ und den „guten mengenmäßigen Zustand“, zu verfehlen. Kriterien zur Beurteilung des chemischen Zustands sind die in der Grundwasserverordnung festgelegten Schwellenwerte, z.B. für Nitrat 50 mg/l und für Pflanzenschutzmittel 0,1/0,5 µg/l. Diese und weitere Schwellenwerte dürfen für einen „guten chemischen Zustand“ im Wesentlichen nicht überschritten werden, bei der Bewertung werden auch Flächenanteile des GWK berücksichtigt.

Eine Vielzahl von Prüfschritten ist erforderlich um eine belastbare Zustandsbewertung durchzuführen. Die Einstufung wird von Dritten kritisch hinterfragt, da sie die Bewirtschaftung -insbesondere für die Landwirtschaft- massiv einschränken kann. Daher ist eine einheitliche Vorgehensweise für ganz NRW sicherzustellen und bei den grenzüberschreitenden Grundwasserkörpern eine Abstimmung mit den Nachbarländern erforderlich.

Zur Bewertung des mengenmäßigen Zustands liefert ein Pilotprojekt zum Grundwasserdargebot im Raum Versmold/Warendorf erste Erkenntnisse. Nach der Grundwasserverordnung ist ein Grundwasserkörper gefährdet (mengenmäßiger Zustand) wenn die mittlere jährliche Grundwasserentnahme das nutzbare Grundwasserdargebot übersteigt. Die Gefahr der Übernutzung eines Grundwasserkörpers besteht insbesondere bei großen Entnahmen für die Trinkwassergewinnung, zu Produktionszwecken oder zur Beregnung von landwirtschaftlichen Flächen. Eine Absenkung der Grundwasserstände kann z.B. Mindererträge in der Landwirtschaft oder auch negative Auswirkungen auf grundwasserabhängige Landökosysteme zur Folge haben.

In OWL sind die Grundwasserkörper in einem „guten mengenmäßigen Zustand“.

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 1

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 1

Der Zustand des Grundwassers in OWL und Vorstellung des Pilotprojektes "Grundwasserdargebot"

07.11.2019
Erich Hormann, Bezirksregierung Detmold
Erich Hormann

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 1

Der Zustand des Grundwassers in OWL und Vorstellung des Pilotprojektes "Grundwasserdargebot"

Erich Hormann, Bezirksregierung Detmold
Foto: Rolf Timmermann
  • Vortrag 2: Birgit Apel und Bernd Vogel-Höffner, Landwirtschaftskammer NRW

Das neue Düngerecht:

Anforderungen an die Landwirtschaft

Die erneute Novellierung der Düngeverordnung wird in 2020 erwartet. Der zwischen BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) und BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) abgestimmte Entwurf wurde der EU-Kommission vorgelegt. Dieser sieht eine deutliche Erweiterung der Vorgaben für landwirtschaftliche Betriebe, insbesondere bezogen auf die Flächen in nitratbelasteten Gebieten vor.

Alle Betriebe sollen zukünftig neben der Düngebedarfsermittlung auch die durchgeführten Düngemaßnahmen aufzeichnen. Zudem wird die Düngung mit flüssigen organischen Düngern bei Grünland im Herbst auf 80 kg/ha Gesamtstickstoff begrenzt und die Aufbringung von Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost auf gefrorenem Boden auf 120 kg/ha Gesamt-Stickstoff beschränkt. Neu ist eine Sperrfrist für phosphathaltige Dünger. Erweitert werden sollen die Abstands- und Bewirtschaftungsauflagen zu Gewässern bei geneigten Flächen in Abhängigkeit der Hangneigung.

Kulturen auf Flächen in nitratbelasteten Gebieten dürfen zukünftig nur noch suboptimal (= minus 20 %) mit Stickstoff versorgt werden. Zudem dürfen in diesen Gebieten im Herbst nur noch Winterraps nach vorhergehender Nmin‑Bodenuntersuchung und Zwischenfrüchte zur Futternutzung gedüngt werden. Die zulässige Grünlanddüngung mit flüssigen Wirtschaftsdüngern wird auf 60 kg/ha Gesamt-Stickstoff reduziert. Vor Sommerungen wird ein Zwischenfruchtanbau mit wenigen Ausnahmen verpflichtend sein. Die Sperrfristen für die Aufbringung von Düngemitteln mit wesentlichem Stickstoffgehalt sollen für Grünland ebenso wie für die Aufbringung von Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost um 4 Wochen erweitert werden.

Die geplanten Regelungen der zukünftigen Düngeverordnung werden insbesondere den Stickstoffeinsatz auf Flächen in nitratbelasteten Gebieten weitergehend reglementieren und die Dokumentationspflichten der landwirtschaftlichen Betriebe deutlich erhöhen.

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 2.1

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 2.1

Das neue Düngerecht – Anforderungen an die Landwirtschaft

08.11.2019
Birgit Apel, Referentin für Düngung und Boden
Birgit Apel

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 2.1

Das neue Düngerecht – Anforderungen an die Landwirtschaft

Birgit Apel, Referentin für Düngung und Boden
Foto: Rolf Timmermann

 

 

Auswirkungen auf die WRRL-Beratung

Der räumliche Schwerpunkt der Beratung liegt in den Gebieten, in denen ein besonderer Handlungsbedarf bezüglich Nitrat und Pflanzenschutzmitteln zum Schutz des Grundwassers gegeben ist. In diesen Bereichen wird die Beratung in drei Prioritätsstufen angeboten. Diese Beratungskulisse basiert auf dem Bewirtschaftungsplan 2016 – 2021.

Die Beratungskulisse wurde vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen aktualisiert und mit dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und den Bezirksregierungen abgestimmt.

Etwa 25 Beratungskräfte betreuen rund 1.600 Betriebe mit dem Schwerpunkt Grundwasserschutz und sind für ca. 12.000 Betriebe in den Regional- und Grundberatungsgebieten zuständig. Die Beratungsinhalte und -form in den drei Prioritätsstufen umfassen:

die Grundberatung zum Grundwasserschutz in allen relevanten Grundwasserkörpern (3. Priorität) mit z. B. überregionalen Seminaren, Internetangeboten, Info- und Vortragsveranstaltungen, Veröffentlichungen in den landwirtschaftlichen Fachzeitschriften, Nitratdienst NRW, Öffentlichkeitsarbeit,

die Regionalberatung in regional wassersensiblen Bereichen (2. Priorität) mit fachspezifischer Gruppenberatung, z. B. Feldbegehungen, Seminaren, Arbeitstagungen, Infoveranstaltungen, Infobriefen,

die Intensivberatung in kleinräumig besonders relevanten Bereichen (1. Priorität) betriebsindividuell und schlagbezogen, z. B. Nährstoffbilanzierung, N-Überhangsbewertung, Nährstoffmanagement, Nmin‑Untersuchungen, Anbauplanung, Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffmanagement.

 

Bei der fachlichen Umsetzung kann das WRRL-Beratungsteam auf die langjährige

Erfahrung aus der Beratung in den Wasserkooperationsgebieten aufbauen. Ferner trägt eine enge Verzahnung der Wasserschutzberatung mit der produktionstechnischen Beratung landesweit zum Wasserschutz bei. Durch gemeinsame Arbeitsgruppen, Seminare und Workshops wird ein reger, fachlicher Austausch gefördert und gemeinsame Ziele und Strategien entwickelt.

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 2.2

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 2.2

Auswirkungen auf die WRRL Beratung

08.11.2019
Bernd Vogel-Höffner, LWK Kreisstelle Minden-Lübbecke
Bernd Vogel-Höffner

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 2.2

Auswirkungen auf die WRRL Beratung

Bernd Vogel-Höffner, LWK Kreisstelle Minden-Lübbecke
Foto: Rolf Timmermann
  • Vortrag 3: Dr. Franz Antony, INGUS Ingenieurdienst Umweltsteuerung GmbH

Gewässerschutzberatung in agrarisch geprägten Einzugsgebieten in Norddeutschland – Übersicht, Arbeitsweisen und Erfolge

Das eiszeitlich geprägte Norddeutschland ist eine der grundwasserreichsten Regionen Europas. Allerdings hat die intensive Landwirtschaft der letzten 50 Jahre wegen der überwiegend durchlässigen Böden große Nitrat- und PSM-Belastungen im Grundwasser verursacht. Diese sind großflächig bereits bis ca. 20 bis 40 m unter Gelände fortgeschritten.

Die bisherigen rechtlichen und freiwilligen Strategien zum Trinkwasserschutz der Bundesländer in der Landwirtschaft sind unterschiedlich und reichen in intensiven Agrarregionen bei weitem nicht aus, das Grundwasser dauerhaft vor Nitrat- und PSM-Einträgen zu schützen. Der Grundwasserschutz ist deutlich „unterfinanziert“.

Am Beispiel „Erfahrungen aus 27 Jahren Kooperationsmodell in Niedersachsen“ werden die Arbeitsweisen und Erfolge, aber auch die Grenzen des Kooperationsmodells vorgestellt. Der rechtliche und kooperative Trinkwasserschutz muss weiterentwickelt und besser finanziert werden, um über den Weg der Vorsorge dauerhaft gering belastetes Trinkwasser sicherzustellen. Nur so ist eine teure und gesellschaftlich unerwünschte, technische Aufbereitung (Nachsorge) zur Reinigung von Nitrat, PSM-Rückständen und weiteren Stoffen zu verhindern. Landwirtschaft in Trinkwassergewinnungsgebieten muss künftig Nitrat-arm und PSM-arm bis PSM-frei durchgeführt werden. Landwirte sollten für eine „Gute Wasserernte“ bezahlt werden. Die Kosten hierfür sind geringer, als für eine umfassende technische Trinkwasseraufbereitung.

Die Arbeitsweisen der landwirtschaftlichen Trinkwasserschutzberatung werden seit ca. 10 Jahren auf die WRRL-Gewässerschutzberatung übertragen und ähnliche Erfolge erzielt. Über die neuen Landes-Düngeverordnungen zu den sog. „Roten Gebieten“ gemäß § 13, Absatz 2 der Bundes-DüV aus 2017 sowie über die erneute Novelle der Bundes-DüV im Frühjahr 2020 werden strengere rechtliche Begrenzungen der Düngung sowie Begrünungsauflagen eingeführt. Dies unterstützt die notwendigen Schutzziele in den Trinkwasserschutz-Kooperationen und den WRRL-Beratungsgebieten, wird aber in Trinkwassergewinnungsgebieten immer noch nicht ausreichen.

 

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 3

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 3

Gewässerschutzberatung in agrarisch geprägten Einzugsgebieten in Norddeutschland – Übersicht, Arbeitsweisen und Erfolge

08.11.2019
Dr. Franz Antony, Geschäftsführer INGUS Ingenieurdienst Umweltsteuerung GmbH
Dr. Franz Antony

Gewässerkonferenz 2019 - Vortrag 3

Gewässerschutzberatung in agrarisch geprägten Einzugsgebieten in Norddeutschland – Übersicht, Arbeitsweisen und Erfolge

Dr. Franz Antony, Geschäftsführer INGUS Ingenieurdienst Umweltsteuerung GmbH
Foto: Rolf Timmermann
Die Referenten in der Diskussion mit dem Publikum

Die Referenten in der Diskussion mit dem Publikum

11.11.2019

Diskussion

Nach den ersten drei Vorträgen diskutierten Referentin und Referenten gemeinsam mit dem Publikum. Hierbei wurden Fragen zur Düngung von Zwischenfrüchten und Düngepolitik angesprochen, aber auch die Auswirkungen der trockenen Sommer 2018 und 2019 auf das Grundwasser hinterfragt.

Nebenstehend im Bild (v.l.n.r): Bernd Vogel-Höffner, Dr. Franz Apel, Erich Hormann und Birgit Apel

 

 

Ankündigungen und Angebote in der Pause

 

26.03.2020 Lebendige Gewässer im Frühling – Die Dalke (in Gütersloh) Die Veranstaltung ist ausgefallen!

24.09.2020 Lebendige Gewässer im Herbst – Rund um Pader und Alme (in Paderborn) Bitte informieren Sie sich auf der Seite der NUA ob die Veranstaltung stattfindet.

 

 

Anna Morsbach stellt die Lippe-Filme vor

Anna Morsbach stellt die Lippe-Filme vor

17.12.2019

Veranstaltungstipp: NUA-Exkursionen 2020

Abteilungsleiter Lutz Kunz lenkte die Aufmerksamkeit auf zwei Veranstaltungen (siehe links) mit der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (NUA). Unter dem Motto "Lebendige Gewässer" werden im Frühjahr und Herbst Exkursionen in Ostwestfalen-Lippe stattfinden.

 

 

 

Alles im Fluss - Filme von der Lippe

Im Anschluss stellte Anna Morsbach, Dezernentin für Gewässer I. und II. Ordnung, Filme über und von der Lippe vor. Diese konnten während der Pause angesehen werden. Die Filme sind über folgenden Link zu erreichen: Alles im Fluss

 

 

Beratungsangebote zur Gewässerrenaturierung

Des Weiteren konnten Interessierte sich von Mitarbeitern der Bezirksregierung und der Kommunalagentur in Sachen Renaturierung beraten lassen. Der Projektflyer gibt einen Überblick über das Angebot und die Ansprechpartner:

 

 

Auftakt zum

3. Bewirtschaftungsplan

Gegen 13:00 Uhr eröffnete Hauptdezernentin Birgit Rehsies die Auftaktveranstaltung zum 3. Bewirtschaftungsplan (BWP). Darin gab es einen ersten Überblick über den geplanten Ablauf bei der Aufstellung des nächsten BWP, der die Bewirtschaftungsaufgaben an unseren Gewässern von 2021 bis 2027 festlegt.

Im Bild rechts: Birgit Rehsies, BR Detmold

 

Birgit Rehsies

Birgit Rehsies

17.12.2019