Monitoringleitfaden Oberflächengewässer Anlage D12

Dienstag, 25. Juli 2017

Monitoringleitfaden Oberflächengewässer Anlage D12

Achtung: veraltete Angaben!

Die in diesem Anhang enthaltenen Informationen werden zurzeit überarbeitet. Eine aktualisierte Version wird im Laufe des Jahres 2019 hier eingestellt.

Indikation von Belastungen

Die folgenden Tabellen stellen überblicksweise dar, wie bzw. mit welchen Prüfkriterien und Indikatoren Gewässerbelastungen und ihre Ursachen indiziert werden können.

Fließgewässer

Ursache der Belastung Belastungsseitiges Prüfkriterium Gewässerseitiges Prüfkriterium Monitoringrelevant Bemerkungen
  Primär als Indikatoren geeignete Qualitätskomponenten / Parameter Sekundär als Indikatoren geeignete Qualitätskomponenten / Parameter  
Hydraulischer Stress Einleitungen von KOM und IGL ARA, Sümpfungs- und Kühlwassereinleitungen, Wassermenge kontinuierlich > 1/3 MNQ Teile der Biozönose, besonders Makrozoobenthos Abflussregime, Hydromorphologie, Makrozoobenthos, Fischfauna Makrophyten, Diatomeen, Sonstiges Phytobenthos  
Hydraulischer Stress Einleitungen aus Entlastungen der Misch- und Trennkanalisation Wassermenge kurzzeitig > x · HQ 1,pnat
in der Regel x = 0,1
Teile der Biozönose, besonders Makrozoobenthos Abflussregime, Hydromorphologie, Makrozoobenthos, Fischfauna Makrophyten, Diatomeen, Sonstiges Phytobenthos  
Nährstoffeintrag P-Ablaufwerte KomARA, IGL ARA,
Nges-Ablaufwerte KomARA, IGL ARA, Nges des oberflächennahen Grundwassers
diffuse Stoffeinträge
Erosionsgefährdung ≥ mittel nach FIS DQ
Auswaschungsgefährdung ≥ mittel nach FIS DQ
Sauerstoffamplitude,
Sauerstoffsättigung > 120%
pH-Amplitude
Pges- und o-P-Werte
Teile der Biozönose, besonders Chlorophyll-a-Werte, Diatomeen und Phytoplankton
die verschiedenen N- und P-Verbindungen, TOC
Diatomeen Phytoplankton
Makrozoobenthos (Saprobie)
Makrophyten, Diatomeen und Makrophyten: nur bei geeigneten Substrat- und Lichtverhältnissen
Phytoplankton: Nur in planktondominierten Gewässern
Schwebstoffeintrag Abschwemmung, Erosion, Misch- und Trennkanalisation, Rohstoffgewinnung und -bearbeitung Steine und Erden Fehlende Gewässerrandstreifen, Erosionsgefährdung ≥ mittel nach FIS DQ Abfiltrierbare Stoffe
> 25 mg/l (FischgewV)
Fischfauna (soweit Brut betroffen)
Abfiltrierbare Stoffe, Trübung
Fischfauna, Makrozoobenthos Nicht im Hochwasserfall
Störung des Sauerstoffhaushaltes Eintrag sauerstoffzehrender Belastungen / Stauhaltungen BSB- Ablaufwerte
KomARA, IGL ARA
Durchflusszeit der Stauhaltung bei MNQ
Sauerstoffsättigung < 80%
oder > 120 %
Makrozoobenthos, Fischfauna, Sauerstoffganglinie  
Ammoniumeinträge KomARA, IGL ARA, diffuse Stoffeinträge AbwV, GVE/ha,
> 170 kgN/ha
Siehe Tabelle A-3.3 Ammonium, Biozönose, besonders Fischfauna Makrozoobenthos  
Metalleintrag IGL ARA, bedeutsame Indirekteinleiter, Misch- und Trennkanalisation, Gruben- und Sümpfungswasser Branchen gemäß Stoffsteckbriefen > ½ (UQN, QZ, OW) Entsprechende Metalle Makrozoobenthos, Fischfauna (bei sehr hohen Konzentrationen) Toxische Belastungen (stoffspezifisch)
PAK-Eintrag IGL ARA, bedeutsame Indirekteinleiter, Misch- und Trennkanalisation, Altlasten Branchen gemäß Stoffsteckbriefen
Gewässernahe Altlastenverdachtsflächen
> ½ (UQN, QZ, OW) Entsprechende PAK Makrozoobenthos, (bei sehr hohen Konzentrationen)  
Eintrag von Pflanzenschutzmitteln und Totalherbiziden Diffuse Einträge aus der Landwirtschaft, bedeutsame Direkt- und Indirekteinleiter, KomARA, Misch- und Trennkanalisation Statistische Daten zu Acker- und Sonderkulturen
Tabelle der aktuell angewandten Wirkstoffe (s. Anhang E 1)
Anteil versiegelte Fläche (Totalherbizide)
> ½ (UQN, QZ, OW) Entsprechende Pflanzenschutzmittel, Makrophyten, Makrozoobenthos    
Ubiquitäre Schadstoffeinträge: zum Beispiel Medikamente, Personal Care Produkte, Flammschutzmittel, Komplexbildner, Tenside, AMPA, PFS Indirekteinleitungen, kommunalen Kläranlagen, Ubiquitäre Einträge der Misch- und Trennkanalisation Schwerpunktprojekte entsprechende Stoffe Makrozoobenthos  
Belastungen mit sonstigen Schadstoffen z.B. PCB, DBT, BTEX aus z.B. KomARA, IGL ARA, Grubenwasser, Einträge der Misch- und Trennkanalisation, diffusen Stoffeinträgen, Altlasten Branchen gemäß Stoffsteckbriefen
Gewässernahe Altlastenverdachtsflächen
> ½ (UQN, QZ, OW) entsprechende Stoffe Makrozoobenthos PCB und DBT aus Schredderbetrieben
strukturelle Degradation Veränderung des Strömungsregimes, der Bettbildung, des Gewässerbesses, des Gewässerufers, der biozönotisch relevanten Strukturen und der Durchgängigkeit Auswertung der Gewässerstrukturgütekartierung (soweit vorhanden) Anteile der Biozönose, besonders Makrozoobenthos
Fischfauna (insb. Wanderfische)
Fischfauna, Makrozoobenthos, Makrophyten Die Fischfauna ist besonders beim Verlust der Habitatvielfalt indikativ, d.h. Tiefen- und Breitenvarianz, Strömungs- und Substratdiversität, sowie Auen-Entkopplung und Rhithralisierung/Potamalisierung Die Fischfauna ist besonders beim Verlust der Habitatvielfalt indikativ, d.h. Tiefen- und Breitenvarianz, Strömungs- und Substratdiversität, sowie Auen-Entkopplung und Rhithralisierung / Potamalisierung.
Versauerung Versauerungen spielen in NRW-Gewässern eine nur geringe Rolle und sind überwiegend auf den unmittelbaren Quellbereich (z.B. in der Senne am Südwesthang des Teutoburger Waldes) oder auf einige Bachoberläufe im silikatischen Grundgebirge (z.B. im Rothaargebirge) beschränkt. Die Auswirkungen von Versauerungen sind sehr einfach und anschaulich mit Hilfe der biologischen Qualitätskomponenten Makrozoobenthos und Diatomeen festzustellen.     MZB, , Diatomeen, Artenverarmung und das Vorkommen von wenigen Spezialisten festgestellt. pH-Wert, Pufferungskapazität, Metalle Makrozoobenthos, Fischfauna, Makrophyten  
Salzbelastung Sümpfungswassereinleitungen, Soleeinleitungen   Cl > 200 mg/l LF, Chlorid, Sulfat, Diatomeen, Makrozoobenthos, Fischfauna Phytoplankton nur in großen oder gestauten Gewässern s. Schadstoffeinträge aus Gruben- u. Sümpfungswasser!!
Temperaturbelastung Kühlwassereinleitungen, Sümpfungswassereinleitungen
Grundablass von Talsperren
Volumenstrom und Temperatur des Nutzers im Vergleich zu Volumenstrom und Temperatur des Gewässers
Kraftwerke, Berg- und Tagebau, Talsperrenbetrieb
Temperaturänderung oberhalb / unterhalb
Wintertemperatur
Zusätzlich in EG-Fischgewässern
Salmonidengewässer
> 21,5 º C,
Δ T > 1,5 K
Cyprinidengewässer
> 28 º C,
Δ T > 3 K
T,
Fischfauna,
Makrozoobenthos
In EG-Fischgewässern
Δ T,
Makrophyten,
 
 
Fehlende Durchgängigkeit für Wasserorganismen (Auf- und Abwärtspassierbarkeit) Stauhaltung, Wasserkraftnutzung Querbauwerke mit Absturzhöhen > 20 cm, Passierbarkeit *
Passierbarkeit des Querbauwerkes *
Teile der Biozönose, besonders Fischfauna (diadrome Arten) Fischfauna    
Reduzierte Wasserführung (z. B. in Ausleitungsstrecken) Stauhaltung < 1/3 MNQ   Makrozoobenthos    

* Passierbarkeit gemäß Tab. 8.3 des Handbuches Querbauwerke

Seen

Belastungsart Indikator Anmerkungen
Prioritäre und nicht-prioritäre Schadstoffe der jeweilige Stoff Je nach Stoff ggf. auch biol. Qualitätskomponenten, z.B. Makrozoobenthos, Fischfauna
Nährstoffe P, N, Sichttiefe, Sauerstoffhaushalt, Phytoplankton, Phytobenthos, Makrophyten Phytobenthos/Makrophyten nur bei geeigneten Substratverhältnissen
Salzbelastung Leitfähigkeit, Chlorid, Sulfat Makrozoobenthos zu prüfen
Versauerung pH, Pufferkapazität, Makrozoobenthos  
Schadstoffe aus Landwirtschaft und Regenentlastungen P, N, NH4+, NO3-, PSM, Phytoplankton, Makrophyten/Phytobenthos, Makrozoobenthos  
Strukturelle Degradation Makrophyten, Phytobenthos, (Makrozoobenthos,)  
Hydraulischer Stress Pegelaufzeichnungen, Makrophyten (nicht bei Talsperren)